Montag, 10. September 2007

Kauf von Puderzucker und Holzkohle bald registrierungspflichtig?

Eine herrlich sinnfreievolle Idee unser aller (?) Justizministerin publiziert die Netzeitung:

Die im Sauerland verhafteten Terrorverdächtigen konnten unbehelligt große Mengen Was-serstoffperoxid kaufen, um damit Bomben zu bauen. ... Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat eine Registrierungspflicht bei dem Verkauf von bestimmten Chemikalien vorgeschlagen, die zum Bombenbau geeignet sind. «Die Tatsache, dass die Chemikalie, um die es bei den drei jetzt gefassten Tätern ging, frei im Handel erhältlich ist, ohne dass der Name registriert wird beim Kauf, halte ich nicht für sonderlich glücklich», sagte Zypries am Sonntag im Deutschlandfunk.

Puderzucker ist auch frei im Handel erhältlich, ohne dass der Name registriert wird, und aus Unkraut-Ex und Puderzucker lassen sich bekanntlich Bomben basteln. Aber Unkraut-Ex gibt's ja angeblich nicht mehr ... und wer kauft schon Kaliumchlorat?

Aber da wäre noch die Holzkohle. Wird zum Grillen gern genommen, ist aber auch Bestandteil von Schwarzpulver (daher auch die Farbe). Da kommt bei ALDI & Co. sicherlich Freude auf, wenn die Kundennamen registriert werden müssen.

Kommentare:

Detlev T. hat gesagt…

Wenn man es darauf anlegt, könnte man das schon realisieren: Zwangs-Payback für alle. Mit Vorratsdatenspeicherung! Wer weiß, welche Chemikalien die nächsten Terroristen verwenden. Kaufen werden diese das dann natürlich in Polen - ist eh' billiger.

Wie wäre es mit einem "Anti-Terror-Nonsens-Preis" für die blödsinnigste Idee zur Terrorabwehr? Ich hätte da schon ein paar Kandidaten...

Anonym hat gesagt…

Interessanter wäre die Antwort auf die Frage, ob die Terroristen eigentlich schon ihr Aceton gekauft hatten.

Der Gerd hat gesagt…

Diese 3 Möchtergern-Terroristen haben sich so dilettantisch benommen dass ich mich frage ob die nicht geschnappt werden wollten um auf eine ganze Weise zm Mätyrer zu werden. Wenn sich auch nur einer von denen in U-Haft umbringt können wir uns wieder auch einen "heissen Herbst" einstellen.
Der Gerd

Stefan hat gesagt…

Obwohl ich grundsätzlich mit dem hiesigen Blogbetreiber politisch auf einer Linie liege, muss ich sagen, dass der Sarkasmus dieses Artikels leider in die Irre läuft.

Wenn die Ministerin vorschlägt, bestimmte Chemikalien nicht mehr (frei/anonym) zu verkaufen, kann das durchaus die gängigen "Bombenrezepturen" ausbremsen:
Wenn sie nämlich dafür sorgen würde, dass (hinreichend starke) Oxidationsmittel Einschränkungen unterliegen. Holzkohle, Puderzucker usw. würden weiter verkauft werden, denn das sind die Stoffe, die bei der Explosion oxidiert (verbrannt) werden. Den dafür notwendigen Sauerstoff liefern hingegen die Oxidationsmittel: Wasserstoff- und andere Peroxide, (Per-)Chlorate usw. wären nicht mehr frei verkäuflich. Solche starken Oxidationsmittel werden im normales Haushalts-Alltag nicht benötigt. 3-prozentiges H2O2 ist unkritisch, Wäschebleiche o.ä. ebenfalls. Daraus wieder "brauchbare" Zutaten für den Bombenbau herzustellen, ist zwar möglich, aber aufwendig.
Völlig verhindern kann man sowas ohnehin nicht, das ist schon klar. Man könnte aber dafür sorgen, dass der Bau von "klassischen" explodierenden Bomben stark erschwert wird.

Ergebnis wäre dann vermutlich, dass die Chemikalien entweder innerhalb der chemischen Industrie organisiert werden (das ist sicherlich möglich -- nicht alles, was verboten wird, hört auch auf zu geschehen ;-)), oder dass zukünftig schlichtweg andere Arten von Anschlägen favorisiert werden. Den Zugang zu Ausgangssubstanzen für Gifte beispielsweise kann man nicht so systematisch blockieren.

Ich denke, bei entsprechender krimineller Energie wird es Interessierten immer gelingen, gefährliche Dinge einzusetzen -- ob jetzt Bomben, Gifte, Kanaldeckel auf der Autobahn oder Eisenstangen auf dem Zuggleis.

Anonym hat gesagt…

Spannender als die Frage nach dem Aceton finde ich die Frage, ob die Drei schon die für die Reaktion notwendige Säure hatten. Außerdem wäre was zum Kühlen ausgesprochen hilfreich (um nicht zu schreiben: zwingend notwendig, damit die nicht schon bei der Herstellung wegen der Reaktion in die Luft fliegen).

Der heutige Beitrag im R-Archiv ist IMHO lesenwert

Anonym hat gesagt…

Und selbst wenn sie bereits alles beisammen hatten: Eine derart große Menge Apex - das war ja anscheinend das Ziel - unfallfrei herzustellen und zu transportieren, ist kaum möglich. Da paßte der Begriff "Selbstmordattentäter" noch vor dem angeblich geplanten Attentat.

doppelfish hat gesagt…

Kleiner Tip: Düngemittel, die den Boden mit Sauerstoff versorgen sollen, bestehen im Wesentlichen aus Kalium- oder Natriumnitrat.
Der Rest bleibt dem Leser zur Übung überlassen, so er sich denn Hände und Gesicht wegsprengen möchte.